münchen = kuala lumpur?
Komisch, ich lebe jetzt seit 5 Wochen in Kuala Lumpur, bin immer noch fasziniert von den das Stadtbild beherrschenden Petronas Towers, die man von unserem Apartment im 7.Stock in der Sonne glitzern sieht, von dem guten Essen –sei es Malaysisch, Indisch, Chinesisch oder Thai- und der Gastfreundschaft und Freundlichkeit, die einem die Malaien entgegenbringen. Und trotzdem: ich ertappe mich oft dabei, dass ich die Stadt mit München vergleiche… Absurd? Die Malaien verbringen den halben Tag mit essen und trinken; große Unterschiede gibt es in München auch nicht, wenn die Biergärten geöffnet sind. Hier gibt es an jeder Ecke einen Hawker Store (=Garküche) oder einen Obststand mit frisch geschnittenen Früchten und frisch gepressten Obstsäften. Eigentlich wie im Paradies? Ein kleiner Unterschied existiert allerdings: die Säfte schmecken sehr gut, genauso wie die Tees und die Mango-Lassi, aber wo bleibt die Münchner Zünftigkeit? Alkohol gibt es nur in Restaurants und dann meist nur dänisches Bier… In solchen Momenten beneide ich ein wenig meine Freunde, die jetzt gerade im Biergarten sitzen… Und ich würde so gerne mal vorbeischauen auf ein kühles Helles. Aber dazu einmal um die halbe Welt zu fliegen? Ist das die Wiesn wert? Hier kann keiner verstehen, dass man nur zu einem Festival geht, um sich zu betrinken – wie kann ich dieses Wiesn-Gefühl einer anderen Kultur vermitteln?
Seit einer Woche habe ich ein Auto – der öffentliche Verkehr ist sehr unzuverlässig; die Busse kommen nicht oder fahren an einem vobei – es gibt hier keinen MVV, der Verspätungen wenigstens ansagt. Das Verkehrssystem ist hier ein wenig gewöhnungsbedürftig – wohl weil es keine Regeln gibt (und „daheim“ regt es einen immer auf, dass Deutschland so reguliert ist). Ich vermisse sogar ein wenig die morgendlichen Antenne Bayern Durchsagen, dass die Autobahn zwischen Garching Nord und Fröttmaning dicht ist… Und dieses Gefühl, wenn man die Leopoldstraße entlangfährt und sich denkt: „München ist einfach überwältigend!“
In diesem Punkt kann Kuala Lumpur allerdings durchaus mithalten; auf meinem Heimweg von der Arbeit fahre ich einmal direkt auf die Petronas Towers zu und das ganze Stadtpanorama ist vor einem ausgebreitet – es ist ein anderes Gefühl, aber man wird einfach mitgerissen.
Zum Abschluß noch ein wenig zum Wetter: In Malaysia ist es das ganze Jahr über Sommer! Man steht morgens auf und die Sonne scheint. Und das selbe Spiel am nächsten Tag. Wenn man morgens aus dem Haus geht, ist es noch etwas kühler und der Tag kann beginnen! Aber mal ehrlich: Ein Leben ohne Wechsel der Jahreszeiten? Keine Frühlingsgefühle und kein „sobald-es-warm-ist-sitzen-wir-draußen-Verhalten“ im Englischen Garten? Sommer ist schön, aber die kurze Zeit, wenn es nach einem kalten, ekligen Winter warm wird und auch wenn sich nach dem Sommer die Blätter färben und die Stimmung ganz melancholisch wird – das gibt es für mich dieses Jahr leider nicht!
Ich kann mich also freuen, nach München zurückzukehren – ich werde hier ein kleines Paradies verlassen, um mir in München einen Job und eine Wohnung zu suchen, was sicherlich nicht leicht wird… Aber München und v.a. die Leute, die die Stadt ausmachen, sind es wert… ich kehre gerne hoam und werde sicherlich manche Dinge, die einem im Münchner Alltag alltäglich erscheinen, zu schätzen wissen.
Von Tanja (damals in Kuala Lumpur)
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