tram 20


Winter, Tram 20, Haltestelle Moosach: Es liegt Schnee, es ist glatt auf den Straßen und matschig in der Tram.

Eine Frau hat eine Breze in der Hand. Unübersehbar ist, dass sie ambitionierte Salzabbröslerin ist. Ein Mann setzt sich ihr gegenüber, er blickt skeptisch auf die auf den Boden herabfallenden Salzteilchen. Ihm missfällt die Verschmutzung öffentlichen Allgemeinguts sichtlich, scheint aber die Frau selbst symphatisch zu finden.


Eine schier ausweglose Situation, was soll er tun? Unbeirrbar bröselt sie weiter. Er versucht es mit stetigem Ignorieren und sieht aus dem Fenster. Dann die Erleuchtung. Die hübsche Frau bröselt nicht aus Unachtsamkeit oder reiner Bosheit, nein, sie bröselt aus weiser Voraussicht. Er will zu verstehen geben, dass er ihre prophylaktische Vorgehensweise verstanden hat.

“Das ist gut, dann rutscht keiner mehr hier drinnen aus!” Sie lächelt, die Tram fährt ab, die beiden vertiefen sich in ein Gespräch über die Gefährlichkeiten auf nicht geräumten und gestreuten Wegen in den Trambahnen und teilen sich die nun salzlose Breze.

Von Sarah
Diese Geschichte wurde von muenchen.gegenfahrbahn.de umgezogen.

Einen Kommentar schreiben